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Alternativer Nobelpreis

Der Alternative Nobelpreis (Right Livelihood Award) ehrt in diesem Jahr Kämpfer für die Schwächsten in der Gesellschaft. Die Auszeichnung wurde an vier Preisträger auf drei Kontinenten vergeben.

Die Gewinner des Alternativen Nobelpreises traten am gestrigen Mittwochabend im Maison de la Paix auf und stellten sich den Fragen der Zuschauer. Die (krankheits-)dezimierten Schüler der Klassenstufe 11 waren sichtlich beeindruckt von dem Charisma und der Wortgewalt der Preisträger. Doch wer ist dies überhaupt?

Eine Journalistin aus Aserbaidschan, ein indischer Menschenrechtsanwalt, ein amerikanischer Umweltschützer und eine Äthiopierin, die sich für das Recht von Behinderten einsetzt: Sie sind die Träger des Alternativen Nobelpreises 2017.

In Aserbaidschan gilt Khadija Ismayilowa seit Jahren als Inbegriff einer unbequemen, mutigen Journalistin, die dem autoritären Regime um Präsident Ilham Alijew Paroli bietet. Die Radiojournalistin wagt sich an Recherchen, die für viele ihrer Berufskollegen als Tabuthema gelten: Immer wieder deckte sie in der Vergangenheit die korrupten Geschäfte und die Selbstbereicherung der Präsidentenfamilie auf – etwa im Jahr 2012 beim Bau der Halle für den Eurovision Song Contest. Im Jahr 2015 wurde sie unter dubiosen Vorwänden zu einer siebeneinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, kam aber wenige Monate später unter Bewährung frei.

Durch den Gewinn des sogenannten Alternativen Nobelpreises wird das Engagement Ismayilowas nun auch international gewürdigt. Die Jury begründet die Auszeichnung der Journalistin «mit ihrem Mut und ihrer Hartnäckigkeit, Korruption auf höchster Regierungsebene durch herausragenden investigativen Journalismus aufzudecken». Allerdings war es ihr nicht vergönnt, bei der Presiverleihung in Stockholm dabei zu sein, auch in Genf  wurde sie leider nur per Skipe zugeschaltet, da sie momentan keine Reiseerlaubnis erhält, auch ein beeindruckendes Zeugnis eines Unrechtsregimes.

Neben Ismayilowa werden drei weitere Personen mit der jährlich vergebenen Auszeichnung, die offiziell Right Livelihood Award heisst, gewürdigt. Das Preisgeld von 3 Millionen schwedischen Kronen (rund 360 000 Franken) teilt sie sich mit dem Inder Colin Gonsalves und der Äthiopierin Yetnebersh Nigussie.

Der Menschenrechtsanwalt Gonsalves, der das einflussreiche indische «Human Rights Law Network» gründete, wird für seinen «Einsatz zum Schutz der grundlegenden Menschenrechte von Indiens marginalisierten Bürgern» ausgezeichnet. Die Anwältin Nigussie, die selbst blind ist und sich für die Rechte von Behinderten einsetzt, erhält den Preis für« ihre inspirierende Arbeit, die es Menschen ermöglicht, ihr Potenzial voll auszuschöpfen».

Den nicht dotierten Ehrenpreis erhält der Amerikaner Robert Bilott. Der Anwalt deckte einen weitreichenden Umweltskandal auf und wird von der Jury auch für «seinen Einsatz für eine effektivere Regulierung gefährlicher Chemikalien» gewürdigt.

Ein beeindruckender Einblick in die aktuelle Politikgeschichte, mit echten Vorbildern und Menschen mit Visonen.

Uwe Brandt

 

 

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