19.01.2018

Leipzig. Eine tolle Stadt im Osten Deutschlands, genauer genommen in Sachsen, mit vielen einzigartigen Sehenswürdigkeiten. Wir, die Klasse 11, hatten das Vergnügen, sowie das Privileg, auf eine 5-tagige Reise nach Leipzig gehen zu dürfen. Und ihr, verehrte Leser/-Leserinnen habt jetzt das Privileg und hoffentlich auch das Vergnügen, etwas über unsere tolle Reise zu erfahren.

 

Am Montag, dem 8. Januar, ging es am Genfer Flughafen bei EasyJet los. Allesamt gespannt und definitiv ausnahmslos pünktlich checkten wir unsere Koffer ein und gingen ohne Probleme durch die Sicherheitskontrolle. Mit etwas Verspätung durch eine technische Störung flogen wir dann gegen 10.00 Uhr endlich los. Erst ging es nach Berlin, von wo aus wir dann einen sogenannten Flixbus nach Leipzig nahmen. Dort angekommen, wurden wir erstmal von einem eisigen Wind empfangen, woraufhin wir uns uns erst mal auf in das Hostel Sleepy Lion machten, eine sehr angenehme, gut gelegene Herberge, mit perfekt funktionierendem Wi-Fi. Nachdem wir uns erstmal eingerichtet hatten, wagten wir uns wieder nach draussen. Vor dem Hofe am Brühl, einem grossen Einkaufszentrum, trafen wir dann auf eine gleichaltrige Schülerin der Nikolaischule, die uns durch die Stadt führte und zu verschiedenen interessanten Anhaltspunkten etwas erzählte, beispielsweise zu der alten Nikolaikirche, dem Alte Rathaus in Leipzig auf der Ostseite des Marktes der Messestadt, sowie der Gothe-Statue und der Statue von Johann Sebastian Bach. Unser erster Eindruck von Leipzig war sehr positiv, es gab bereits viel Interessantes zu sehen und die Architektur war ebenfalls sehr imposant. Leider sank unser Konzentrationsvermögen stetig da es bereits spät war und der eisige Wind keine Ruhe gab. Der Stadtrundgang wurde von daher etwas verkürzt und es ging zur Feier des Tages ins Kino, wo wir «Aus dem Nichts» sahen, eine sehr beeindruckende deutsch-französische Koproduktion, die erst kürzlich einen Golden Globe gewonnen hat. Der Film ist vom dem 2004 von dem NSU verübten Nagelbomben-Attentat in Köln inspiriert und sehr empfehlenswert, aber definitiv keine leichte Kost.

 

Am nächsten Tag wurde uns in der zentralen Studienberatung Leipzigs etwas über die Leipziger Uni, sowie die Studienmöglichkeiten erzählt. Anschliessend bekamen wir eine Führung durch den Campus, sowie weitere Infos über Studien und die Uni insgesamt. Besonders erstaunt waren wir über die extrem billigen Verpflegungsmöglichkeiten der Mensa. Nach einer Mittagspause, bei der es von Hans im Glück über Vapiano bis hin zur Mensa nicht an Möglichkeiten mangelte, ging es auf in die neue Nikolaischule, wo wir uns einen freundlichen Volleyball-Wettkampf mit der Volleyball-AG der dortigen 11. Klasse lieferten. Obwohl wir nicht sehr an die etwas unvorteilhaft niedrige Hallendecke gewohnt waren, waren wir dennoch relativ erfolgreich und hatten zusammen mit den äusserst sympathischen Schülern der Nikolaischule viel Spass dabei, unserer Volleyball-Leidenschaft nachzugehen. Anschliessend ging es zum Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs, welches mit 91 Metern Höhe zu den größten Denkmälern Europas zählt und eines der bekanntesten Wahrzeichen Leipzigs ist. Es gedenkt der sogenannten Völkerschlacht, die vom 16. bis 19. Oktober 1813 vor den Toren Leipzigs stattfand. Sie führte im Rahmen der Befreiungskriege zu einer Niederlage Napoleons gegen die Truppen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens. In der Schlacht, die bis zum Ersten Weltkrieg als die größte der Geschichte galt, kämpften Deutsche auf beiden Seiten. Vom Fuß des Sockels bis zur Aussichtsplattform auf der Spitze sind es 500 Stufen, die wir mangels Zeit bedauerlicherweise nicht erklimmen konnten, da schon geschlossen war. Immerhin konnten wir auf der äusseren Plattform einen tollen Sonnenuntergang geniessen, bevor wir auf den Spuren der friedlichen Revolution 1989 das Haus der Geschichte Leipzigs, das zeitgeschichtliche Forum, besuchten.

 

Mittwoch war der intensivste Tag, bei dem wir schon morgens früh um 7.00 nach Weimar fuhren um dort das KZ Buchenwald besuchen zu können. Es war ein beeindruckend grosses Arbeitslager; in Einführungsfilm und Ausstellung, wurden wir mit den unglaublich menschenverachtenden Bedingungen von damals konfrontiert. Danach ging es in die Ausstellung des Goethe-Nationalmuseums, gefolgt von einer Besichtigung von Goethes Wohnhaus, mitsamt Audio-Guide, der über jeden einzelnen Raum etwas Detailliertes zu erzählen wusste. Auf diese Weise erfuhren wir so einiges über das Universalgenie Goethe, der nicht nur Dichter, sondern auch Jurist, Mediziner, Maler, Skandalautor und Naturwissenschaftler, sowie leidenschaftlicher Kunstsammler war. Zuvor machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp beim Denkmal von Goethe and Schiller, die eine sehr produktive Freundschaft mit gegenseitiger Inspiration pflegten. Zum Abschluss unseres Weimar-Besuchs besichtigten wir die Anna-Amalia-Bibliothek, ein historisches Bibliotheksgebäude, benannt nach Herzogin Anna Amalia, die ihre größte Förderin war. Am 2. September 2004 brach im Dachstuhl des Hauptgebäudes ein Feuer aus, wobei leider 50.000 Bände sowie 35 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert vollständig verloren gingen.

 

Donnerstag fand an der Universität der Tag der offenen Tür statt, wir konnten also bis etwa 16.00 unser Programm individuell je nach Interesse gestalten. Es gab jede Menge interessante Optionen, auch wenn es, wie an jeder gewöhnlichen Uni, ziemlich voll war. Als wir uns am Nachmittag vor der Nikolaikirche wieder alle zusammenfanden, besuchten wir die ehemalige Staatsicherheitszentrale, bei der unser Klassenlehrer Herr Brandt so freundlich war, uns aus eigener Erfahrung mehr zu den Methoden der Staatsicherheit und ihren Auswirkungen auf das Leben in der damaligen DDR zu erzählen. Daran anschliessend hatten wir ein Gespräch mit Bürgerrechtlerin Hollitzer, die unsere Fragen zur damaligen Zeit anhand ihrer Erfahrungen und Erinnerungen an die Zeit gut beantworten konnte. Abends ging es dann noch ins Theater, wo wir das Stück «Kasimir und Karoline» anschauten, ein Stück von Ödön von Horváth, das auf dem Münchner Oktoberfest in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 spielt.

 

Freitag nahmen wir es nach unserem vollen Programm relativ locker, nach dem Auszug aus dem Hostel gingen wir unserer Liebe für Volleyball in einer Beachvolleyball-Halle nach, bevor wir gegen 14.00 unsere Rückreise antraten, wobei wir diesmal einen ICE nach Berlin nahmen.

Insgesamt war unsere Studienfahrt ein wahrlich erinnerungswürdiges Erlebnis mit einer Vielzahl von Eindrücken, geschichtlicher und politischer Bildung und einer guten Portion Volleyball. Danke an unsere Lehrer Herr Brandt und Frau Remerscheid, die diese Reise ermöglicht haben.

                                                                                                                                 Julian Linn


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